"2000 Jahre Varusschlacht"         

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Institut für Germanische Geschichte und Sprachforschung

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An dieser Stelle möchte ich ganz herzlich Harald Thümmel danken, der seit der Leipziger Buchmesse 2002 zu dem Thema der „Loh-Ketten“ großartig gearbeitet und den folgenden Beitrag erzielte.  

Die Loh-Orte im Mansfelder Land und Umgebung, 2. Ergänzung
(Von Harald Thümmel)

„ignes canunt – et non finem – Singende Feuer und kein Ende“

Nach Veröffentlichung der beiden Beiträge zu den Loh-Orten im Mansfelder Land und Umgebung im Heft 14 und 15 der „Zeitschrift für Heimatforschung“ erreichte den Autor noch eine Vielzahl von Loh-Benennungen, die es wert sind erwähnt zu werden. Die neuen Erkenntnisse widersprechen nicht der Ansicht der bisherigen beiden Beiträge über die Loh-Plätze römischer Zeichengebung in der Zeit um Christi Geburt, sondern ergänzen oft Lücken im bisherigen System sinnvoll.

Vor allem der Niederstädter Heimatforscher W. Reich lieferte eine Fülle von Material, die es zu bearbeiten und einzuordnen galt. Zugleich machte er darauf aufmerksam, daß ein Großteil der „Loh-Ketten“ entlang damals wichtiger Handelswege lagen, die natürlich auch ziehende Truppen benutzten. In West-Ost-Richtung war das einerseits die bereits erwähnte „Heerstraße“, die südlich des Harzes in unserem Gebiet Nordhausen Querfurt rekonstruierbar ist. Andererseits findet sich die von Eisleben in südliche Richtung verlaufende, schon in vorgeschichtlicher zeit benutzte Handelsstraße über Naumburg und Regensburg, später auch „Regensburger Straße“ genannt.

Sicherlich wurden damals noch andere uns heute bekannte alte Wege benutzt worden sein, aber bei diesen beiden ist es anhand der Loh-Nennungen besonders signifikant. Sie bestätigen, daß die Marschwege der römischen Invasoren, flankiert durch Signalketten, vorwiegend dort entlang verliefen.

Als wichtige Quelle dient ein von W. Reich gefundener Beitrag von Friedrich Schmidt in den „Mitteilungen des Vereins für Geschichte und Naturwissenschaft in Sangerhausen und Umgebung“, sechsundzwanzigstes Heft 1939, in dem sich dieser bereits mit dem Thema beschäftigte.

F. Schmidt definierte das „Loh“ als „lichte Stelle im Walde, Hain, kleineres Gehölz, Gebüsch, Wald und besonders Laubwald in geringerem Umfange, allein gelegen und besonders im offenem Felde“. Er bezieht hier noch die Bezeichnungen -lah, -lahe, -loch, - loge, -lage und -lager als verwandt mit ein, die in diesem Beitrag nicht bearbeitet werden.

Auch er bezeichnet das Wort „Loh“ „in ganz Alt-Niederdeutschland verbreitet“, doch „die Nordländer, die im 6. Jahrhundert einrückten [scheinen] das Wort Loh verdrängt zu haben“, vorwiegend nördlich des Harzes. Damit meint er die Angeln und Wanner und eventuell nach E. Neuß auch Teile der Langobarden. Auch hier läßt sich ableiten, daß das es sich um sehr alte, über lange Zeit durch Siedlungskontinuität tradierte Namengebungen handeln muß.

Insgesamt sind jetzt 48 Loh-Orte benannt. Im Laufe der ständig ergänzten Darlegung des Themas entstand eine verwirrende Vielfalt in der Numerierung der einzelnen Loh-Orte, so daß nur noch eine Karte Überblick verschafft. Die Orte aus dem Beitrag von 1939 sind nach lokalen Gruppen zusammengestellt, soweit dies möglich war und gruppenweise mit Großbuchstaben markiert. Alle aus anderen Quellen stammenden Bezeichnungen sind mit Ziffern und eventuell Unterbuchstaben kenntlich gemacht.

Die Lage der Loh-Orte läßt ihre lineare Ausrichtung sehr deutlich werden.

Alle Sichtverbindungen konnten bisher noch nicht überprüft werden, liegen aber in der Regel offen vor. Es läßt sich in unserem Raum nun eine Linie von Gieboldehausen bis Casekirchen von ca. 140 km Länge  und von Gieboldehausen bis Gommlo von 170 km Länge rekonstruieren. Nach Süden geht es offensichtlich weiter, zu erkennen an Lohma südl. von Weimar und Bücheloh westl. von Ilmenau.

Wichtig wird unter anderem als Folgeerarbeitung die Ermittlung der Sichtverbindungen zwischen den Orten.

 

Resümee:

Wenn in zwei Jahren an einigen Orten Niedersachsens und Nordrhein-Westfalens dem historischen Ereignis der sogenannten „Varusschlacht“ wo auch immer ernsthaft gedacht wird, können wir auch für das Mansfelder Land erkennen und sagen, daß es eine analoge Situation zum westphälischen Raum gibt, die die römische Präsenz und ihr Ende dokumentiert.

Auch bei uns endete die römische Herrschaft nicht kampflos!

Die Plätze unserer Ereignisse, hier zunächst die Loh-Orte, als die Grundlage der nun möglich gewordenen Folgeforschungen sind unverzichtbare römische Meilensteine.

 

Bisher bekannte Loh-Orte aus verschiedenen Quellen:

Bezeichnung                   Lage                                       Bezeichnung          Lage
 

1.

2.

3.

4.

5.

6.

7.

8a.

8b.

8c.

9.

10.

zu 10.

Emseloh

Lohkopf

Schielo

Loh

Lohberg

Lohra

Lohberg

Loh

Hasseloh

Schweinslohe

Loh

Ellerloh

Loh

östl. v. Sangerhausen

südl. v. Wippra

westl. v. Königerode

südl. v. Pansfelde

südöstl. v. Quenstedt

südwestl. v. Bleicherode

nordwestl. v. Nordhausen

nordwestl. v. Berga

nordwestl. v. Wettelrode

südl. v. Eisleben

südl. v. Strassberg

westl. v. Bergfarnstedt

östl. v. Winkel

11.

12.

13.

14.

15a.

15b.

15c.

15d.

15f.

16.

17.

Lohholz

Lohbreite

Heideloh

Gommloh

Lohorn

Loh

Lohholz

Lohberg

Lohholz

Lohbach

Lohberg

bei Schafsee

Dölauer Heide

an A 9

westl. Dübener Heide

nördl. v. Nebra

nördl. v. Gleina

westl. v. Freyburg

bei Gröbitz

bei Casekirchen

westl. v. Gerbstedt

nördl. v. Biesenrode

 

 

Die Lh-Orte nach Friedrich Schmidt

                 Bezeichnung                                 Lage                                                                  Kommentar

A

 

 

 

B

 

 

Zu 7

 

C

 

D

 

 

E

 

 

 

F

 

 

 

Zu 1

 

G

 

H

 

K

 

L

 

M

 

P

Steinloh, Steinlohsberg

Loholz

Tottloh, Dottloh

 

Lohmühle

Lohmühle

 

Bischofsloh

 

Lohberg

 

Hemelo, Hamlo

Loh

 

Barteloh

Lohfeld

Loh

 

Löhe

Loh

Hemelo, Winloe, Weinlohe

 

Loh

 

Kirchloh

 

Tiefenloh

 

Loh

 

Lohholz

 

Loh

 

Großes Loh

bei Tettenborn

bei Mackenrode

bei Liebenrode-Obersachsenwerfen

 

bei Walkenried

bei Elrich

 

bei Kleinwechsungen

 

östl. v. Hermannsacker

 

bei Uftrungen

bei Görsbach

 

bei Bennungen

bei Hackpfüffel

bei Brücken

 

zw. Lengefeld und Gonna

bei Obersdorf

bei Sangerhausen

 

bei Bayernaumburg

 

bei Großbendten, westl. v.

Sonderhausen

Bei Tebra,  nordöstl. V.

Greußen

Sondershausen

 

Bei Wülfingerode, Sollstedt,

an B 80

bei Ballenstedt

 

bei Braunsrode, Heidnungen

mögl. Verbindungsstücke

zwischen Lohberg Giebolds-hausen & Lohberg Nordh.

 

vermutlich Tallage

dto.

 

neben Lohberg Nordhausen

 

mögl. Verb. Lohberg Nordh.

Loh Staßberg (noch unvollst.)

in Nähe von Loh Berga

dto.

 

mögl. Verbindung Loh Berga

- Emseloh

 

 

nördl. v. Sngerhausen

 

 

 

vermutl. Die genau Lage des Emseloh


mögl. Verbindung nach Alach bei Erfurt (siehe Heft 15)


dto.

 

dto.

 

vorerst keine Erklärung



dto.

   


mögl. Verb. Enseloh - Alach

   
(Die dazu mögliche Kartographie befindet sich in Arbeit und wird in Folge nachgesetzt.)

 

Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt

Kommentar und Hinweis auf die neuen Ergebnisse von Harald Thümmel zum „Mansfelder Land“

  Als ich im Jahre 2002 auf der damaligen Leipziger Buchmesse Harald Thümmel begegnete, konnte ich noch nicht ahnen, daß mich eine intensive und freundschaftliche Zusammenarbeit mit ihm erwarten würde.
Bereits einige Monate nach unserer ersten Begegnung erhielt ich Post von ihm und darin den ersten kartographischen Hinweis um einen weiteren „Loh-Ort“ in Halle an der Saale aus dem Jahre 1845. Wie dieser Hinweis gingen eine Reihe weiterer Entdeckungen von Harald Thümmel in diese Forschungen ein und stellten wichtige Brückenglieder der römischen „Loh-gistik“ und anderer spezifischer Zusammenhänge des thüringischen Raumes.
Nun, nachdem vier Jahre vergangen sind, steht eine erste geschlossene Neuvorstellung von Harald Thümmel in der Öffentlichkeit.
In der Publikation „Zeitschrift für Heimatforschung“ von Andre´ Gersky und Peter Lindner findet sich seine Ausarbeitung um weitere Loh-Orte, hier speziell für das Mansfelder Land.
Daß mich diese ana„lo“ge „Loh“-Situation  zu meinem westphälischen Hauptuntersuchungsgebiet nicht unberührt läßt, sei kurz gesagt. Zumal die Analogie die Grundlage unserer gewinnenden Erfahrungen darstellt, die unseren Fortschritt begründet, indem sie uns sowohl bestätigt, wie auch das Erfahrene durch ihre Wiederholung zu sichern hilft.

  Unter der Überschrift „Die Loh-Orte im Mansfelder Land und Umgebung“
bekommen wir nun einen Einblick in einen Zeitraum und seine „Lo“kalität für den, wie Thümmel schreibt: „Bisher ... fast einzig Bodenfunde Aufschlüsse und Hinweise über unsere Vorfahren gaben“.
Thümmel beschreibt die Standorte der „Lohs“ und stellt diese damit in weitaus größere Zusammenhänge als auf den ersten Blick zu erkennen ist.

  Mehrere Aspekte werden von diesen Ortsvorgaben erweiternd beleuchtet und anknüpfbar.

a.)     Die Einbindung in die bereits bestehende „Loh-gistik“ für die umliegenden Anschlußräume.

b.)    Die Ordnung dieser Orte in Beziehung zu den Reiterketten (hier vor allem der Aleorte von „Basel auf Torgau in Richtung Stettin).

c.)    Die Beziehungen bezüglich der „neuen“ Ausgrabungs- und Erweiterungsergebnisse römischer Präsens gegen den Elb- und Oderraum.. Mit:

1.)                                                                                                                           Waldgirmes

2.)                                                                                                                           Hedemünden

3.)                                                                                                                           Aken (Bernd Willich unter „ite“ Walsgirmes)

d.)    Die großstrategische Wirkung dieses Raumes auf die Umländer, wie:

I.)      Den Harz

II.)    Sachsen (Richtung: Eisernes Tor)

III.) Den Großraum Brandenburg (Berlin)

IV.) Nach Norden in Richtung Magdeburg                                                                                      

e.)     Der Aufmarsch Tiberius im Jahre 6 n. Chr., über die Elbe auf Dresden (Heidenau), gegen den Markomannenherrscher Marbod (Böhmen).

f.)     Der nun entstandene „Zwischenraum“ als der Siedlungsbereich der Chatten {c(h)atten}(Katzen), den Franken-, wie Burgundervorfahren Hessens.

g.)    Die Bedeutung der West-Ost-Achse:

Xanten - Haltern - Anreppen - Hedemünde - Aken (Dessau) - Finkenheerd (Fr. a. d. O.)

h.)    Die Bedeutung der Süd-Nord-Achsen:

Regensburg auf:

1.)    Marktbreit - Waldgirmes - Aliso (Ennigerloh)

2.)    Hof (Bayern) - Aken (Dessau)

  Wir erkennen am Raum „Aken-Dessau“ die überragende Position des der Elbe vorgelagerten Aufmarschbereiches gegen das zu Beginn des Ahenobarbus (Statthalter über Germanien 6 v. bis 4 n. Chr.) noch freie Germanien des ostelbischen Gebietes. Ahenobarbus Vorstoß gegen die Oder und sein Scheitern wird nun durch die „Germanischen Quellen“ bedeutsam und erkennbar.
Dabei ist das sich abzeichnende römische Lager- und Marschsystem von max. bis zu zehn Jahren Standzeit, bezeichnend.

Zu den militärstrategischen Zusammenhängen (u. a. Marbod und den „pannonischen Aufstand“ betreffend), habe ich bereits im Bd. II einiges ausgeführt. Hier wird nun der Intervall sowie die Intentionen der germanischen Gegenoffensiven deutlich. Das germanische Kalkül wie das strategische Vermögen der Nordleute liefern Rückschlüsse zunächst auf die römischen Strategien und ihre überfällige Neubewertung.
Das römische Verhalten und Vorgehen bedeutet die Notwendigkeiten germanischen Verhaltens und erklärt:

a.)     Die Befreiung der Chauken

b.)    Die Lösung der Markomannen aus den römischen Verträgen unter Marbod

c.)    Die Befreiung der Friesen

d.)    Die Vertreibung Vibilius (pro römischer Herrscher der Hermunduren)

e.)     Germanische seegestützte Angriffe auf die römisch beherrschte Normandie unter Einbeziehung Britanniens als Flottenstützpunkt der Germanen; und die daraus resultierende Eroberung Britanniens durch Rom (siehe dazu unten).

  An all diesen Punkten wird deutlich wie wohlwollend und ideologisch durchwirkt die Haltung weiter Teile der deutschen Wissenschaften gegenüber Rom und seinem Gebaren formuliert vorliegt.
Zusätzlich zeigt sich die ideologisch begründete Ignoranz von bereits vorliegenden Fakten und Aussagen innerhalb des bisher bestehenden Ideenkonstrukts eines idealisierenden Römerbildes, um damit einem momentanen Zeitgeist zu dienen. Dabei bilden nur einzelne Wissenschaftler eine Ausnahme, während die Anpassung an das von wem auch immer Gewünschte die Allgemeinheit beherrscht. Ob es nun der Himmler-, DDR- oder 68er-Geist ist! Der Satz: „Wes´ Brot ich eß, ....“, oder: „Wes´ Rest ich find, des Lied ich sing.“) behält seine bedauerliche Gültigkeit. Dabei ist die Weglassung oder das „Übersehen“ von Fakten (wie sie bereits von Theodor Mommsen und anderen beschrieben sind und vorliegen) das einfachste Mittel, angestrebte Ergebnisse einer ideologisch orientierten Zielsetzung wem auch immer als Wissenschaft anzudienen und damit zum Politikum zu machen.
Man kann sich des Ekels eines „Max Liebermanns“ nicht entziehen, wenn man auf die selben Straßen schaut, die ihm bereits vor annähernd 70 Jahren vor Augen standen.

  Es zeigt sich zum Beispiel im Kontext des germanischen Widerstandes gegen Rom, daß die bisher kaum betrachteten germanischen Siedlungsräume in Skandinavien wie die jenseits der Elbe, die zu dieser Zeit noch weit in den Raum gegen die Weichsel reichten, von größter Bedeutung waren und sowohl in militärischer wie in händlerischer Verbindungen mit dem Rhein-Elb-Raum standen.
Die aus diesen Gebieten unerläßlich stattfindende Heranführung von Mannschaften gegen die zahlenmäßig nicht schwachen Legionen Roms waren ausschlaggebend für das Scheitern römischer Expansionsbemühungen über die Rheinlinie hinaus.
(In der fränkischen Zeit wurde, wie in jedem Krieg (I. u. II. Weltkrieg), ebenso die Aushebung von Mannschaften und ihre Kampfkraft zur Grundlage für Sieg oder Niederlage.)
Gerade der Aspekt germanischer Solidarität gegenüber externen Feinden stellt aber zur Zeit einen unüberwindlichen ideologischen Graben in den Köpfen deutscher Wissenschaftsvertreter gegenüber einer unverkrampften Anschauung der Fähigkeiten auf Seiten der Germanen, die es offenbar gegeben haben muß und ohne die ein Sieg über Rom undenkbar war! Allerorten verschanzen sich die Ideologen vor und in den Vorstellungen eines irgend entarteten Zeitgeistes und in seinem Zeitverständnis. Vom ernsthaft diskutierten Reichsgedanken bei den Germanen bis zum chauvinistischen Beamten- Ethos der Kaiserzeit, vor dem ein römisch erklärter (einmaliger) „Verrat“ eines germanischen Offiziers (Arminius) verhandelt wird, reichen die Diskussionen.
500 Jahre Geschichte Europas werden hier auf die Wirkung eines Ereignisses reduziert und aus beispiellosen Übertragungen bedeutet!

  Die ersten Seekriege des Nordens

Zu c.) Zu den unverstandenen und ignorierten Ereignissen des 1. Jh. gehören u. a. die germ. Angriffe zur See auf die Küstenregionen und schiffbaren Flußbereiche Galliens (Nordfrankreichs) und die damit ersten alliierten Landungen in der Normandie gegen den Adler der Niedertracht.
Die von Theodor Mommsen beschriebenen germanischen Flottenoffensiven  gegen die offenen Flanken Roms  im gesamten Küstenabschnitt Frankreichs, vielleicht schon bis zur iberischen Küste, stellen bereits große Entlastungsangriffe und strategische Voraussicht der Germanen dar. Daß hier nicht Friesen und Chauken die Triebfedern dieser Aktionen stellten, ist naheliegend. Daß die Germanen den Spieß umdrehten, wie das Sprichwort bereits sagt, machen zugleich die römischen Aktionen gegen Germanien deutlich.

Roms Angriffe zur See

Roms hauptstrategisches Vorgehen war der Einsatz ihrer 1. Trumpfkarte (ihrer Flotte) neben der 2. (ihrer Reiterei). Mit den auf Schiffen gestützten Kontingenten vermochten die Römer unangefochten tiefe  Siedlungsräume zu beherrschen und mit ihrem Terror zu überziehen bzw. sie mit Terror zu bedrohen.
Damit verschaffte man sich ohne Kraftaufwand Vertragsbereitschaft selbst in jenen Gegenden, die von Land her unerreichbar waren.
Ein Beispiel: Man stelle sich die Römer auf der Elbe vor. Mit nur ½ Legionsstärke, also 3.000 Mann, konnte ein Kontingent vom Wasser aus ohne effektive Gegenmaßnahmen, links-, wie rechtselbisch in die Fläche hinein agieren. Bis sich die Gegenwehr der Einheimischen formierte, waren die Aggressoren wieder abgerückt und wüteten bereits andernorts in ähnlicher Weise. Eine Abwehr dieser troßfreien Einheiten war deshalb aussichtslos. Ihr Operationsradius kann mit bis zu 50 km angenommen werden, wenn nicht der selbe Rückweg genommen wurde.
Rom hatte den Germanen mit eigenem Tun eine Taktik nahegebracht, die am Ende noch von den Wikingern erfolgreich praktiziert wurde.
Rom rühmte sich von Lyon aus, ganz Gallien mit nur einer Legion zu beherrschen, also ausbeuten zu können. Folglich war der Küstenbereich gegen Britannien relativ ungeschützt und offen. Als nun ihrerseits die Germanen diese Landesteile mit Zerstörung überzogen (ca. 25 – 50 n. Chr.), änderte sich die Wirtschaftlichkeit ganzer Regionen. Rom war zum Handeln, das heißt zur Sicherung der gesamten Küste gezwungen, was im Sinne der Germanen lag. Rom mußte Truppen umstellen.

So berichtet Mommsen:
Bevor Rom Britannien eroberte, überzog es den Raum Hessen-Thüringen zunächst mit einem Kriegszug. Rom zerstörte und brannte, um die Germanen zu beschäftigen und sie an ihre nackte Existenz zu nageln. Im Jahr darauf (41 n. Chr.) zog Rom darauf mehrere Legionen zur Eroberung Britanniens vom Rhein ab, um sie im darauffolgenden Jahr gefahrlos zurückzuverlegen. 
Der Verlust Britanniens als Flottenstützpunkt für die Germanen und der damit erst mögliche römische beidseitige Einblick in den Kanal ließen die germanischen Gegenschläge und Entlastungsangriffe zum Erliegen kommen.
Mommsen schreibt zum Fall Britanniens, daß Augustus noch in der Zeit um 0 eine Eroberung der britischen Inseln aus ökonomischen Gründen ausschloß. Er stellte die Kosten der Stationierung von nur einer Legion in Britannien dem Handelsgewinn mit den Inseln gleich und damit einem Eroberungsgedanken entgegen. Nach dem Jahr 40 mußte Rom weit mehr an Mannschaften auf die Inseln werfen und vor allem Reitereien an den Küsten stationieren, um Seebedrohungen von germanischer Seite abzuwehren.
Nun dienten diese Truppen zugleich bzw. fast ausschließlich der Sicherung Galliens und Iberiens und wurden deshalb auch anders gerechnet, so daß kein Widerspruch zur wirtschaftlichen Einschätzung Augustus vorliegt.
Doch das germanische Ziel: Römische Truppen aus der Rheinfront zu entfernen oder fern zu halten wurde erreicht. Damit verlor Rom an Offensivkraft und neben dem Verlust der friesischen und chaukischen Küstenabschnitte die Möglichkeiten der zuvor (unter Drusus bis Tiberius) gegebenen Terrorangriffe römischer Flotten im gesamten Ostseeraum und in den Flusszonen (Weser, Elbe und Oder).
So wurden die Siedlungsgebiete der Germanen in weiten Gebieten vor dem römischen Zugriff sicher und uneinsehbar.
Doch eines hatte sich ab der Zeit des Drusus bis Tiberius und den weit reichenden Angriffen Roms auf germanische Gebiete bedeutet. Eine friedliche Koexistenz zwischen Germanen und Römern gab es für die rechtsrheinischen Gebiete nicht mehr.
Der Römische Limes mit all seinen waffenstrotzenden Legionen war ja nicht der Ausdruck von Handel und Wandel, also Ausdruck einer Handelslinie, wie uns allerorten von den {fellows}, den Römerfreunden weisgemacht wird. Am Rhein und an der Donau lagen zwei Machtblöcke voreinander, die stets aufs Neue gegeneinander aufmarschierten und über die z.B. „Schwein(e)furt“ (Römer), bzw. die „Ochsenfurt“ (Germanen) einander, beispielhaft benannt, besuchten, besser: heimsuchten.
Die beispielhaften Kriegszüge und kriegerischen Ereignisse, vom „Bataveraufstand“ bis zum Feldzug der „Jutangen“ usw. von der einen Seite und den nur noch an den Flurnamen abzulesenden Angriffen der Römer auf germanische Gebiete der anderen Seite, wiedersprechen dem Zeitgeist unserer „Schönfärber“. Die römischen Finken (von den Finkenheerden; „ite“ „Loh-gistik“) waren, nach ihren Gräuelen in Germanien, die ersten „Vogelfreien“, die ersten, für die es nie ein germanisches Recht gegeben zu haben scheint. 

  Von den Wassereimern und anderem Zeug

Daß es hier und da auch irgend gearteten Handelsaustausch auch römischer Waren gab ist sicherlich möglich gewesen und nicht ganz auszuschließen. Doch die meisten der allesamt zufällig gemachten römischen Funde im germanischen Teil östlich des Limes, waren einzig Beutestücke aus einem der vielen Kriegszüge gegen die römischen Gebiete und Ausdrücke des sächsischen {tit for tat}.
Daß die von “Siegmar von Schnurbein“ vorgestellten „acht“ römischen Wassereimer, im Raum der Elb-Weser-Mündungen einen beachtenswerten Beitrag, bezüglich welcher auch immer von ihm vermuteten Beziehungen zu den germanischen Ostnachbarn darstellen, sei an dieser Stelle deshalb besonders hervorgehoben. Vielleicht findet sich ja noch der eine oder andere weitere Lederlumpen, so daß uns die daraus abgeleiteten und ableitbaren nächsten Kontexte und Schlußfolgerungen erreichen.

Ein Schlußwort:

  Die „Manns-Felder“

  Das Mansfelder Land bedeutet das Gebiet, das die (Schlacht-) Felder jener Männer trägt, die die Römer aus dem Lande warfen. Dieses Land stellt einen wichtigen Schlüssel auch in seiner Namensflut (der von ihm geführten Fluren, Bäche und Berge)* zur germanischen Geschichte. Die *„Germanischen Quellen“ finden auch in diesem Gebiet einen tiefen Grund, der hier nur an-, aber noch nicht ausgeschöpft ist.

Harald Thümmel hat mit seiner Arbeit einen wichtigen Schritt dazu geleistet und zum Verständnis unserer Geschichte beigetragen.

  ebd.

  Publikationshinweis: „Zeitschrift für Heimatforschung“, Heft 14 von Andre´ Gersky und Peter Lindner,

                                    ISBN 3-929389-49-5  Verlag Andre´ Gursky  Heimatliteratur 06122 Halle/S.


Karte vom 12.11.2009


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