An
dieser Stelle möchte ich ganz herzlich Harald Thümmel danken, der seit der
Leipziger Buchmesse 2002 zu dem Thema der „Loh-Ketten“ großartig gearbeitet
und den folgenden Beitrag erzielte.
Die Loh-Orte im Mansfelder Land und Umgebung, 2. Ergänzung
(Von Harald Thümmel)
„ignes
canunt – et non finem – Singende Feuer und kein Ende“
Nach
Veröffentlichung der beiden Beiträge zu den Loh-Orten im Mansfelder Land und
Umgebung im Heft 14 und 15 der „Zeitschrift für Heimatforschung“ erreichte
den Autor noch eine Vielzahl von Loh-Benennungen, die es wert sind erwähnt zu
werden. Die neuen Erkenntnisse widersprechen nicht der Ansicht der bisherigen
beiden Beiträge über die Loh-Plätze römischer Zeichengebung in der Zeit um
Christi Geburt, sondern ergänzen oft Lücken im bisherigen System sinnvoll.
Vor
allem der Niederstädter Heimatforscher W. Reich lieferte eine Fülle von
Material, die es zu bearbeiten und einzuordnen galt. Zugleich machte er darauf
aufmerksam, daß ein Großteil der „Loh-Ketten“ entlang damals wichtiger
Handelswege lagen, die natürlich auch ziehende Truppen benutzten. In
West-Ost-Richtung war das einerseits die bereits erwähnte „Heerstraße“,
die südlich des Harzes in unserem Gebiet Nordhausen Querfurt rekonstruierbar
ist. Andererseits findet sich die von Eisleben in südliche Richtung
verlaufende, schon in vorgeschichtlicher zeit benutzte Handelsstraße über
Naumburg und Regensburg, später auch „Regensburger Straße“ genannt.
Sicherlich
wurden damals noch andere uns heute bekannte alte Wege benutzt worden sein, aber
bei diesen beiden ist es anhand der Loh-Nennungen besonders signifikant. Sie
bestätigen, daß die Marschwege der römischen Invasoren, flankiert durch
Signalketten, vorwiegend dort entlang verliefen.
Als
wichtige Quelle dient ein von W. Reich gefundener Beitrag von Friedrich Schmidt
in den „Mitteilungen des Vereins für Geschichte und Naturwissenschaft in
Sangerhausen und Umgebung“, sechsundzwanzigstes Heft 1939, in dem sich dieser
bereits mit dem Thema beschäftigte.
F.
Schmidt definierte das „Loh“ als „lichte Stelle im Walde, Hain, kleineres
Gehölz, Gebüsch, Wald und besonders Laubwald in geringerem Umfange, allein
gelegen und besonders im offenem Felde“. Er bezieht hier noch die
Bezeichnungen -lah, -lahe, -loch, - loge, -lage und -lager als verwandt mit ein,
die in diesem Beitrag nicht bearbeitet werden.
Auch
er bezeichnet das Wort „Loh“ „in ganz Alt-Niederdeutschland verbreitet“,
doch „die Nordländer, die im 6. Jahrhundert einrückten [scheinen] das Wort
Loh verdrängt zu haben“, vorwiegend nördlich des Harzes. Damit meint er die
Angeln und Wanner und eventuell nach E. Neuß auch Teile der Langobarden. Auch
hier läßt sich ableiten, daß das es sich um sehr alte, über lange Zeit durch
Siedlungskontinuität tradierte Namengebungen handeln muß.
Insgesamt
sind jetzt 48 Loh-Orte benannt. Im Laufe der ständig ergänzten Darlegung des
Themas entstand eine verwirrende Vielfalt in der Numerierung der einzelnen
Loh-Orte, so daß nur noch eine Karte Überblick verschafft. Die Orte aus dem
Beitrag von 1939 sind nach lokalen Gruppen zusammengestellt, soweit dies möglich
war und gruppenweise mit Großbuchstaben markiert. Alle aus anderen Quellen
stammenden Bezeichnungen sind mit Ziffern und eventuell Unterbuchstaben
kenntlich gemacht.
Die
Lage der Loh-Orte läßt ihre lineare Ausrichtung sehr deutlich werden.
Alle
Sichtverbindungen konnten bisher noch nicht überprüft werden, liegen aber in
der Regel offen vor. Es läßt sich in unserem Raum nun eine Linie von
Gieboldehausen bis Casekirchen von ca. 140 km Länge und von Gieboldehausen bis Gommlo von 170 km Länge
rekonstruieren. Nach Süden geht es offensichtlich weiter, zu erkennen an Lohma
südl. von Weimar und Bücheloh westl. von Ilmenau.
Wichtig
wird unter anderem als Folgeerarbeitung die Ermittlung der Sichtverbindungen
zwischen den Orten.
Resümee:
Wenn
in zwei Jahren an einigen Orten Niedersachsens und Nordrhein-Westfalens dem
historischen Ereignis der sogenannten „Varusschlacht“ wo auch immer
ernsthaft gedacht wird, können wir auch für das Mansfelder Land erkennen und
sagen, daß es eine analoge Situation zum westphälischen Raum gibt, die die römische
Präsenz und ihr Ende dokumentiert.
Auch
bei uns endete die römische Herrschaft nicht kampflos!
Die
Plätze unserer Ereignisse, hier zunächst die Loh-Orte, als die Grundlage der
nun möglich gewordenen Folgeforschungen sind unverzichtbare römische
Meilensteine.
Bisher
bekannte Loh-Orte aus verschiedenen Quellen:
Bezeichnung
Lage
Bezeichnung
Lage
(Die dazu mögliche Kartographie befindet sich in Arbeit und wird in Folge
nachgesetzt.)
Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt
Kommentar und Hinweis auf die neuen Ergebnisse von Harald Thümmel
zum „Mansfelder Land“
Als ich im Jahre 2002 auf der damaligen Leipziger Buchmesse Harald Thümmel
begegnete, konnte ich noch nicht ahnen, daß mich eine intensive und
freundschaftliche Zusammenarbeit mit ihm erwarten würde.
Bereits einige Monate nach unserer ersten Begegnung erhielt ich Post von ihm und
darin den ersten kartographischen Hinweis um einen weiteren „Loh-Ort“ in
Halle an der Saale aus dem Jahre 1845.
Wie dieser Hinweis gingen eine Reihe weiterer Entdeckungen von Harald Thümmel
in diese Forschungen ein und stellten wichtige Brückenglieder der römischen
„Loh-gistik“ und anderer spezifischer Zusammenhänge des thüringischen
Raumes.
Nun, nachdem vier Jahre vergangen sind, steht eine erste geschlossene
Neuvorstellung von Harald Thümmel in der Öffentlichkeit.
In der Publikation „Zeitschrift für Heimatforschung“ von Andre´
Gersky und Peter Lindner findet sich seine Ausarbeitung um weitere Loh-Orte,
hier speziell für das Mansfelder Land.
Daß mich diese ana„lo“ge „Loh“-Situation
zu meinem westphälischen Hauptuntersuchungsgebiet nicht unberührt läßt,
sei kurz gesagt. Zumal die Analogie die Grundlage unserer gewinnenden
Erfahrungen darstellt, die unseren Fortschritt begründet, indem sie uns sowohl
bestätigt, wie auch das Erfahrene durch ihre Wiederholung zu sichern hilft.
Unter der Überschrift „Die Loh-Orte im Mansfelder Land und
Umgebung“
bekommen wir nun einen Einblick in einen
Zeitraum und seine „Lo“kalität für den, wie Thümmel schreibt: „Bisher
... fast einzig Bodenfunde Aufschlüsse und Hinweise über unsere Vorfahren
gaben“.
Thümmel beschreibt die Standorte der „Lohs“ und stellt diese damit in
weitaus größere Zusammenhänge als auf den ersten Blick zu erkennen ist.
Mehrere Aspekte werden von diesen Ortsvorgaben erweiternd beleuchtet und anknüpfbar.
a.)
Die Einbindung in die bereits
bestehende „Loh-gistik“ für die umliegenden Anschlußräume.
b.)
Die Ordnung dieser Orte in
Beziehung zu den Reiterketten (hier vor allem der Aleorte von „Basel auf
Torgau in Richtung Stettin).
c.)
Die Beziehungen bezüglich der
„neuen“ Ausgrabungs- und Erweiterungsergebnisse römischer Präsens gegen
den Elb- und Oderraum.. Mit:
1.)
Waldgirmes
2.)
Hedemünden
3.)
Aken
(Bernd Willich unter „ite“ Walsgirmes)
d.)
Die großstrategische Wirkung
dieses Raumes auf die Umländer, wie:
I.)
Den
Harz
II.)
Sachsen
(Richtung: Eisernes Tor)
III.) Den Großraum Brandenburg (Berlin)
IV.)
Nach Norden in Richtung Magdeburg
e.)
Der Aufmarsch Tiberius im Jahre 6
n. Chr., über die Elbe auf Dresden (Heidenau), gegen den Markomannenherrscher
Marbod (Böhmen).
f.)
Der nun entstandene
„Zwischenraum“ als der Siedlungsbereich der Chatten {c(h)atten}(Katzen), den
Franken-, wie Burgundervorfahren Hessens.
g.)
Die Bedeutung der West-Ost-Achse:
Xanten
- Haltern - Anreppen - Hedemünde - Aken (Dessau) - Finkenheerd (Fr. a. d. O.)
h.)
Die Bedeutung der Süd-Nord-Achsen:
Regensburg
auf:
1.)
Marktbreit - Waldgirmes - Aliso
(Ennigerloh)
2.)
Hof (Bayern) - Aken (Dessau)
Wir erkennen am Raum „Aken-Dessau“ die überragende Position des der Elbe
vorgelagerten Aufmarschbereiches gegen das zu Beginn des Ahenobarbus
(Statthalter über Germanien 6 v. bis 4 n. Chr.) noch freie Germanien des
ostelbischen Gebietes. Ahenobarbus Vorstoß gegen die Oder und sein Scheitern
wird nun durch die „Germanischen Quellen“ bedeutsam und erkennbar.
Dabei ist das sich abzeichnende römische Lager- und Marschsystem von max. bis
zu zehn Jahren Standzeit, bezeichnend.
Zu den militärstrategischen
Zusammenhängen (u. a. Marbod und den „pannonischen Aufstand“ betreffend),
habe ich bereits im Bd. II einiges ausgeführt. Hier wird nun der Intervall
sowie die Intentionen der germanischen Gegenoffensiven deutlich. Das germanische
Kalkül wie das strategische Vermögen der Nordleute liefern Rückschlüsse zunächst
auf die römischen Strategien und ihre überfällige Neubewertung.
Das römische Verhalten und Vorgehen bedeutet die Notwendigkeiten germanischen
Verhaltens und erklärt:
a.)
Die Befreiung der Chauken
b.)
Die Lösung der Markomannen aus den
römischen Verträgen unter Marbod
c.)
Die Befreiung der Friesen
d.)
Die Vertreibung Vibilius (pro römischer
Herrscher der Hermunduren)
e.)
Germanische seegestützte Angriffe
auf die römisch beherrschte Normandie unter Einbeziehung Britanniens als
Flottenstützpunkt der Germanen; und die daraus resultierende Eroberung
Britanniens durch Rom (siehe dazu unten).
An all diesen Punkten wird deutlich wie wohlwollend und ideologisch durchwirkt
die Haltung weiter Teile der deutschen Wissenschaften gegenüber Rom und seinem
Gebaren formuliert vorliegt.
Zusätzlich zeigt sich die ideologisch begründete Ignoranz von bereits
vorliegenden Fakten und Aussagen innerhalb des bisher bestehenden
Ideenkonstrukts eines idealisierenden Römerbildes, um damit einem momentanen
Zeitgeist zu dienen. Dabei bilden nur einzelne Wissenschaftler eine Ausnahme, während
die Anpassung an das von wem auch immer Gewünschte die Allgemeinheit
beherrscht. Ob es nun der Himmler-, DDR- oder 68er-Geist ist! Der Satz: „Wes´
Brot ich eß, ....“, oder: „Wes´ Rest ich find, des Lied ich sing.“) behält
seine bedauerliche Gültigkeit. Dabei ist die Weglassung oder das „Übersehen“
von Fakten (wie sie bereits von Theodor Mommsen und anderen beschrieben sind und
vorliegen) das einfachste Mittel, angestrebte Ergebnisse einer ideologisch
orientierten Zielsetzung wem auch immer als Wissenschaft anzudienen und damit
zum Politikum zu machen.
Man kann sich des Ekels eines „Max Liebermanns“ nicht entziehen, wenn man
auf die selben Straßen schaut, die ihm bereits vor annähernd 70 Jahren vor
Augen standen.
Es zeigt sich zum Beispiel im Kontext des germanischen Widerstandes gegen Rom,
daß die bisher kaum betrachteten germanischen Siedlungsräume in Skandinavien
wie die jenseits der Elbe, die zu dieser Zeit noch weit in den Raum gegen die
Weichsel reichten, von größter Bedeutung waren und sowohl in militärischer
wie in händlerischer Verbindungen mit dem Rhein-Elb-Raum standen.
Die aus diesen Gebieten unerläßlich stattfindende Heranführung von
Mannschaften gegen die zahlenmäßig nicht schwachen Legionen Roms waren
ausschlaggebend für das Scheitern römischer Expansionsbemühungen über die
Rheinlinie hinaus.
(In der fränkischen Zeit wurde, wie in jedem Krieg (I. u. II. Weltkrieg),
ebenso die Aushebung von Mannschaften und ihre Kampfkraft zur Grundlage für
Sieg oder Niederlage.)
Gerade der Aspekt germanischer Solidarität gegenüber externen Feinden stellt
aber zur Zeit einen unüberwindlichen ideologischen Graben in den Köpfen
deutscher Wissenschaftsvertreter gegenüber einer unverkrampften Anschauung der
Fähigkeiten auf Seiten der Germanen, die es offenbar gegeben haben muß und
ohne die ein Sieg über Rom undenkbar war! Allerorten verschanzen sich die
Ideologen vor und in den Vorstellungen eines irgend entarteten Zeitgeistes und
in seinem Zeitverständnis. Vom ernsthaft diskutierten Reichsgedanken bei den
Germanen bis zum chauvinistischen Beamten- Ethos der Kaiserzeit, vor dem ein römisch
erklärter (einmaliger) „Verrat“ eines germanischen Offiziers (Arminius)
verhandelt wird, reichen die Diskussionen.
500 Jahre Geschichte Europas werden hier auf die Wirkung eines Ereignisses
reduziert und aus beispiellosen Übertragungen bedeutet!
Die ersten Seekriege des Nordens
Zu c.) Zu den unverstandenen
und ignorierten Ereignissen des 1. Jh. gehören u. a. die germ. Angriffe zur See
auf die Küstenregionen und schiffbaren Flußbereiche Galliens (Nordfrankreichs)
und die damit ersten alliierten Landungen in der Normandie gegen den Adler der
Niedertracht.
Die von Theodor Mommsen beschriebenen germanischen Flottenoffensiven
gegen die offenen Flanken Roms im
gesamten Küstenabschnitt Frankreichs, vielleicht schon bis zur iberischen Küste,
stellen bereits große Entlastungsangriffe und strategische Voraussicht der
Germanen dar. Daß hier nicht Friesen und Chauken die Triebfedern dieser
Aktionen stellten, ist naheliegend. Daß die Germanen den Spieß umdrehten, wie
das Sprichwort bereits sagt, machen zugleich die römischen Aktionen gegen
Germanien deutlich.
Roms Angriffe zur See
Roms hauptstrategisches
Vorgehen war der Einsatz ihrer 1. Trumpfkarte (ihrer Flotte) neben der 2. (ihrer
Reiterei). Mit den auf Schiffen gestützten Kontingenten vermochten die Römer
unangefochten tiefe Siedlungsräume
zu beherrschen und mit ihrem Terror zu überziehen bzw. sie mit Terror zu
bedrohen.
Damit verschaffte man sich ohne Kraftaufwand Vertragsbereitschaft selbst in
jenen Gegenden, die von Land her unerreichbar waren.
Ein Beispiel: Man stelle sich die Römer auf der Elbe vor. Mit nur ½ Legionsstärke,
also 3.000 Mann, konnte ein Kontingent vom Wasser aus ohne effektive Gegenmaßnahmen,
links-, wie rechtselbisch in die Fläche hinein agieren. Bis sich die Gegenwehr
der Einheimischen formierte, waren die Aggressoren wieder abgerückt und wüteten
bereits andernorts in ähnlicher Weise. Eine Abwehr dieser troßfreien Einheiten
war deshalb aussichtslos. Ihr Operationsradius kann mit bis zu 50 km angenommen
werden, wenn nicht der selbe Rückweg genommen wurde.
Rom hatte den Germanen mit eigenem Tun eine Taktik nahegebracht, die am Ende
noch von den Wikingern erfolgreich praktiziert wurde.
Rom rühmte sich von Lyon aus, ganz Gallien mit nur einer Legion zu beherrschen,
also ausbeuten zu können. Folglich war der Küstenbereich gegen Britannien
relativ ungeschützt und offen. Als nun ihrerseits die Germanen diese
Landesteile mit Zerstörung überzogen (ca. 25 – 50 n. Chr.), änderte sich
die Wirtschaftlichkeit ganzer Regionen. Rom war zum Handeln, das heißt zur
Sicherung der gesamten Küste gezwungen, was im Sinne der Germanen lag. Rom mußte
Truppen umstellen.
So berichtet Mommsen:
Bevor Rom Britannien eroberte, überzog es den Raum Hessen-Thüringen zunächst
mit einem Kriegszug. Rom zerstörte und brannte, um die Germanen zu beschäftigen
und sie an ihre nackte Existenz zu nageln. Im Jahr darauf (41 n. Chr.) zog Rom
darauf mehrere Legionen zur Eroberung Britanniens vom Rhein ab, um sie im
darauffolgenden Jahr gefahrlos zurückzuverlegen.
Der Verlust Britanniens als Flottenstützpunkt für die Germanen und der damit
erst mögliche römische beidseitige Einblick in den Kanal ließen die
germanischen Gegenschläge und Entlastungsangriffe zum Erliegen kommen.
Mommsen schreibt zum Fall Britanniens, daß Augustus noch in der Zeit um 0 eine
Eroberung der britischen Inseln aus ökonomischen Gründen ausschloß. Er
stellte die Kosten der Stationierung von nur einer Legion in Britannien dem
Handelsgewinn mit den Inseln gleich und damit einem Eroberungsgedanken entgegen.
Nach dem Jahr 40 mußte Rom weit mehr an Mannschaften auf die Inseln werfen und
vor allem Reitereien an den Küsten stationieren, um Seebedrohungen von
germanischer Seite abzuwehren.
Nun dienten diese Truppen zugleich bzw. fast ausschließlich der Sicherung
Galliens und Iberiens und wurden deshalb auch anders gerechnet, so daß kein
Widerspruch zur wirtschaftlichen Einschätzung Augustus vorliegt.
Doch das germanische Ziel: Römische Truppen aus der Rheinfront zu entfernen
oder fern zu halten wurde erreicht. Damit verlor Rom an Offensivkraft und neben
dem Verlust der friesischen und chaukischen Küstenabschnitte die Möglichkeiten
der zuvor (unter Drusus bis Tiberius) gegebenen Terrorangriffe römischer
Flotten im gesamten Ostseeraum und in den Flusszonen (Weser, Elbe und Oder).
So wurden die Siedlungsgebiete der Germanen in weiten Gebieten vor dem römischen
Zugriff sicher und uneinsehbar.
Doch eines hatte sich ab der Zeit des Drusus bis Tiberius und den weit
reichenden Angriffen Roms auf germanische Gebiete bedeutet. Eine friedliche
Koexistenz zwischen Germanen und Römern gab es für die rechtsrheinischen
Gebiete nicht mehr.
Der Römische Limes mit all seinen waffenstrotzenden Legionen war ja nicht der
Ausdruck von Handel und Wandel, also Ausdruck einer Handelslinie, wie uns
allerorten von den {fellows}, den Römerfreunden weisgemacht wird. Am Rhein und
an der Donau lagen zwei Machtblöcke voreinander, die stets aufs Neue
gegeneinander aufmarschierten und über die z.B. „Schwein(e)furt“ (Römer),
bzw. die „Ochsenfurt“ (Germanen) einander, beispielhaft benannt, besuchten,
besser: heimsuchten.
Die beispielhaften Kriegszüge und kriegerischen Ereignisse, vom „Bataveraufstand“
bis zum Feldzug der „Jutangen“ usw. von der einen Seite und den nur noch an
den Flurnamen abzulesenden Angriffen der Römer auf germanische Gebiete der
anderen Seite, wiedersprechen dem Zeitgeist unserer „Schönfärber“. Die römischen
Finken (von den Finkenheerden; „ite“ „Loh-gistik“) waren, nach ihren Gräuelen
in Germanien, die ersten „Vogelfreien“, die ersten, für die es nie ein
germanisches Recht gegeben zu haben scheint.
Von den Wassereimern und anderem Zeug
Daß es hier und da auch
irgend gearteten Handelsaustausch auch römischer Waren gab ist sicherlich möglich
gewesen und nicht ganz auszuschließen. Doch die meisten der allesamt zufällig
gemachten römischen Funde im germanischen Teil östlich des Limes, waren einzig
Beutestücke aus einem der vielen Kriegszüge gegen die römischen Gebiete und
Ausdrücke des sächsischen {tit for tat}.
Daß die von “Siegmar von Schnurbein“ vorgestellten „acht“ römischen
Wassereimer, im Raum der Elb-Weser-Mündungen einen beachtenswerten Beitrag, bezüglich
welcher auch immer von ihm vermuteten Beziehungen zu den germanischen
Ostnachbarn darstellen, sei an dieser Stelle deshalb besonders hervorgehoben.
Vielleicht findet sich ja noch der eine oder andere weitere Lederlumpen, so daß
uns die daraus abgeleiteten und ableitbaren nächsten Kontexte und Schlußfolgerungen
erreichen.
Ein Schlußwort:
Die „Manns-Felder“
Das Mansfelder Land bedeutet das Gebiet, das die (Schlacht-) Felder jener Männer
trägt, die die Römer aus dem Lande warfen. Dieses Land stellt einen wichtigen
Schlüssel auch in seiner Namensflut (der von ihm geführten Fluren, Bäche und
Berge)* zur germanischen Geschichte. Die *„Germanischen Quellen“ finden auch
in diesem Gebiet einen tiefen Grund, der hier nur an-, aber noch nicht ausgeschöpft
ist.
Harald Thümmel hat mit
seiner Arbeit einen wichtigen Schritt dazu geleistet und zum Verständnis
unserer Geschichte beigetragen.
ebd.
Publikationshinweis: „Zeitschrift für Heimatforschung“, Heft 14 von
Andre´ Gersky und Peter Lindner,
ISBN
3-929389-49-5 Verlag Andre´ Gursky
Heimatliteratur 06122 Halle/S.
Karte vom 12.11.2009

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